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Katrin Helling-Plahr zur Situation von Hebammen und Entbindungspflegern

- Spahns gesundheitspolitischer Aktionismus hilft niemandem, wenn angekündigte Projekte nicht ordentlich zu Ende gebracht und gedacht werden. Das wird hinsichtlich der Vorschläge zur Verbesserung der Arbeitssituation von Hebammen, die in Kliniken arbeiten, besonders deutlich.

- Die im letzten Januar veröffentlichte IGES-Studie zur aktuellen Situation der stationären Hebammenversorgung konstatiert, dass rund ein Viertel der Hebammen an einen Jobwechsel denkt. Dass der Bundesgesundheitsminister das nicht einfach ignorieren kann, dürfte klar sein. Wie man jetzt aber an das Problem herangeht, kann als naiv bis ignorant bezeichnet werden.

- Der Minister spricht von regem Austausch mit Hebammenvertretern, will sein Handeln nach Aussage seines Ministeriums an den Anliegen des Berufsstands festmachen. Tatsächlich sind aber ernste Zweifel angebracht, ob er das wirklich tut. An den besagten Anliegen plant er jedenfalls völlig vorbei. Ernstgenommen fühlen sich die Hebammen - so sind diesbezügliche Stellungnahmen zu interpretieren - vom Bundesgesundheitsminister jedenfalls nicht. Wie auch, wenn er laut Antwort seines Ministeriums zuletzt im Jahr 2018 persönlich mit deren Vertretern gesprochen hat. Seitdem ist viel Zeit ins Land gegangen, unter anderem wurde die Ausbildung völlig neu organisiert.

- Spahn sollte proaktiv auf die Berufsverbände zugehen, sich ihre Sorgen nicht nur anhören, sondern sie in konkrete Handlungen ummünzen. Es macht keinen Sinn, zu einem Hebammen-Expertengespräch einzuladen, wenn die darauf folgenden Vorschläge das eigentliche Kernproblem nicht angehen, sondern wie eine Alibi-Reaktion auf unliebsame Studienergebnisse wirken.

- Wer soll denn besser wissen wo die Probleme liegen, als die Hebammen selber? Entscheidungen am ministeriellen grünen Tisch werden der gesellschaftlichen Relevanz einfach nicht gerecht. Aus meinen zahlreichen Gesprächen mit Hebammen weiß ich: Mehr finanzierte Stellen - wenn sie überhaupt besetzt werden können - schaffen nicht automatisch weniger Belastung. Viel wichtiger wäre eine nachhaltige Entlastung der Hebammen von fachfremden Tätigkeiten. Förderungen können selbstverständlich auch sinnvoll sein, dann aber individuell und zielgenau auf die jeweilige Klinik abgestimmt, nicht mit der Gießkanne.

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