Gesundheit

NIPD

Nichts wünschen sich werdende Eltern mehr als eine möglichst problemlos verlaufende Schwangerschaft und ein gesundes Kind. Der medizinische Fortschritt macht es heute möglich, viele Risikofaktoren bei einer Schwangerschaft von vornherein auszuschließen und Anomalien beim ungeborenen Kind frühzeitig zu erkennen. Mit diesen medizinischen Fortschritten ergeben sich aber auch ethische Fragen um eine mögliche vorgeburtliche Selektion. Aktuell nimmt darum eine breite gesellschaftliche Debatte um die Nicht-Invasive Pränataldiagnostik (NIPD) Fahrt auf.

Die Nicht-Invasive Pränataldiagnostik (NIPD) ermöglicht werdenden Eltern einen Test auf Trisomien bei ihrem ungeborenen Kind. Gegenüber invasiven Testverfahren wie der Fruchtwasseruntersuchung birgt die NIPD kein Fehlgeburtsrisiko und liefert genauere Testergebnisse. Perspektivisch soll die NIPD darum bei entsprechender medizinischer Indikation von der Krankenkasse bezahlt werden. Kritiker sehen darin den Einstieg in die vorgeburtliche Selektion und befürchten ein mittelfristiges Verschwinden von Menschen mit Behinderungen aus der Gesellschaft. Viele der nun wieder aktuellen Argumente wurden bereits 2012 während der intensiven politisch-gesellschaftlichen Debatte um die Präimplantationsdiagnostik (PID) ausgetauscht.

Als Freie Demokraten möchten wir medizinischen Fortschritt für möglichst breite Bevölkerungsschichten verfügbar machen. Zu diesem medizinischen Fortschritt gehört für uns auch die NIPD. Allerdings darf der Diskurs über die Möglichkeiten und Grenzen der Pränataldiagnostik nicht hinter der medizinischen Entwicklung zurückliegen. Nur eine breit geführte gesellschaftliche und ethische Debatte schafft Akzeptanz für deren Ergebnis.

NIPD als Regelleistung der gesetzlichen Krankenkassen ist für uns Freie Demokraten ausdrücklich nicht der Einstieg in die vorgeburtliche Selektion. Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen sollen der Heilbehandlung und der Vermeidung von Erkrankungen dienen. Insbesondere Trisomien gehen nachgewiesenermaßen häufig mit schwerwiegenden Erkrankungen wie etwa Herzfehlern einher. Eine NIPD soll daher nur dann als Regelleistung von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden, wenn eine eindeutige medizinische Indikation bei der Schwangeren bzw. beim Kind vorliegt. Alle anderen Schwangeren müssen die NIPD auch weiterhin als sogenannte IGeL-Leistung selbst bezahlen, eine generelle Kostenübernahme der NIPD für alle Schwangeren steht für uns nicht zur Debatte.

Liegt aber eine medizinische Indikation bei einer schwangeren Frau bzw. deren ungeborenem Kind vor, ist es aus unserer Sicht ethisch nicht vertretbar, risikoärmere Alternativen zu bereits erstattungsfähigen, aber risikoreicheren Untersuchungsmethoden nicht zu einer Kassenleistung zu machen. Die Möglichkeit der risikoarmen Pränataldiagnostik würde ansonsten von der finanziellen Lage der werdenden Mutter abhängig gemacht. Als Freie Demokraten möchten wir medizinischen Fortschritt aber für möglichst viele Menschen in unserem Land verfügbar machen.

Im Übrigen ist auch bei einer medizinischen Indikation weder die Inanspruchnahme der NIPD selbst, noch die Abtreibung bei einem positiven Befund eine zwangsläufige Folge. Wir Freie Demokraten gehen vom Leitbild einer selbstbestimmten Schwangerschaft aus, in deren Verlauf eine Schwangere als mündige Patientin im Rahmen ihres Selbstbestimmungsrechts selbst entscheiden kann, ob sie eine NIPD vornehmen lassen will und wie sie mit dem Befund umgeht. Gesellschaftliche Akzeptanz und bessere Lebenschancen für Menschen mit Behinderungen schaffen wir nicht, indem wir die frühzeitige Diagnose einer Behinderung erschweren.

 

Zurück