Gesundheit

Organlebendspende

10.000 Menschen stehen derzeit auf den Wartelisten für eine Organtransplantation - drei Viertel davon warten auf eine Leber oder Niere. Doch Organspenden sind seit Jahren rückläufig, die Zahl hat sich in den vergangenen zehn Jahren fast halbiert. Experten und Politik suchen schon lange nach den Gründen und nach möglichen Lösungen. Ein Ansatz dabei ist die Liberalisierung der Organlebendspende: Bei dieser Form der Spende können beispielsweise Nieren, Teile der Leber oder andere Gewebearten bereits zu Lebzeiten gespendet werden. Der Mangel an den am meisten benötigten Organen könnte damit zumindest gelindert werden.

Trotz großer Fortschritte in der medizinischen Forschung werden Patienten in näherer Zukunft weiterhin menschliche Spenderorgane benötigen. Neben Verbesserungen bei der postmortalen Organspende müssen dabei auch weitere Möglichkeiten zur Erhöhung des Spendenaufkommens in Betracht gezogen werden. So gibt es neben der postmortalen Spende auch die Option der freiwilligen, altruistischen Lebendspende bei Nieren- und Lebertransplantationen. Bei beiden Organen ist es möglich, dass der Spender auch mit einer Niere bzw. einem Teil seiner Leber praktisch beschwerdefrei weiterlebt.

Das deutsche Transplantationsgesetz setzt der Lebendspende allerdings enge Grenzen. Bei Entnahme einer Niere, eines Teils der Leber oder anderer nicht regenerierungsfähiger Organe fordert das Transplantationsgesetz eine verwandtschaftliche Beziehung oder ein besonderes Näheverhältnis zwischen Organspender und -empfänger. Ein Arzt, der eine Transplantation auch ohne diese Voraussetzungen vornimmt, macht sich nach derzeitiger Rechtslage strafbar.

Auch gilt für die Organlebendspende das sogenannte Subsidiaritätsprinzip. Mit ihm wird vorgeschrieben, dass eine postmortale Spende immer einer Lebendspende vorzuziehen ist - auch wenn von einer nahestehenden Person ein Organ zu Spende angeboten wird und auch, obwohl die Überlebensraten der Organempfänger bei der Lebendspende signifikant höher sind.

Zum Wohl der schwer kranken Patienten auf den Wartelisten ist eine umsichtige Liberalisierung von Lebendspenden nötig. Der Gesetzgeber muss alle gebotenen Anstrengungen unternehmen, um die Aussicht auf eine erfolgreiche Transplantation und damit die Rettung des Lebens für die Betroffenen zu erhöhen. Leitlinie muss dabei die Freiwilligkeit der Organlebendspende und der Ausschluss von Organhandel sein.

Verwandtschaft oder ein besonderes Näheverhältnis darf darum nicht mehr Voraussetzung für eine Organlebendspende sein. Wer einem Mitmenschen aus rein altruistischen Motiven ein Organ spenden möchte, soll dies tun dürfen. Ärzte, die eine solche Transplantation durchführen, sollen sich nicht mehr in einer rechtlichen Grauzone bewegen müssen, sondern eine sichere Rechtsgrundlage erhalten.

Damit soll es in Zukunft möglich sein, sogenannte Überkreuzspenden durchzuführen. Dabei wird zwei Paaren die wechselseitige Transplantation ermöglicht, wenn sie z. B. aufgrund von Blutgruppenunverträglichkeit nicht dem jeweils eigenen Partner, wohl aber dem Partner eines anderen eine Leber oder eine Niere spenden können. Auch die altruistische Spende, bei der sich ein Spender ohne finanziellen Vorteil zu einer Spende etwa in einem medial bekannt gemachten Fall entschließt, wird so möglich.

Auch anonyme, nicht zielgerichtete Spenden an einen Organpool müssen Teil einer umsichtigen Liberalisierung von Organlebendspenden sein. Die Ständige Kommission Organtransplantation bei der Bundesärztekammer hat sich bereits 2003 dafür ausgesprochen, die rechtlichen Voraussetzungen hierfür zu schaffen. Die aktuell historisch niedrigen Organspendezahlen sollten Anlass genug sein, diesen Vorschlag endlich umzusetzen.

Auch das Subsidiaritätsprinzip bei der Organlebendspende muss abgeschafft werden. Bei der Lebendspende sind die Überlebensraten der Organempfänger signifikant höher als bei postmortalen Organspenden. Es kann nicht sein, dass dem Empfänger dennoch staatlicherseits eine suboptimale Therapie „verordnet“ und gleichzeitig einem anderen Empfänger, der tatsächlich auf eine postmortale Organspende angewiesen ist, ein Organ vorenthalten wird.

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